Zwei Liebende auf dem Weg ins Schlafzimmer
Romane schreiben

Schwule Sexszenen schreiben

Einführung in das Thema schwule Sexszenen schreiben:

Die Geschmäcker sind verschieden. Das gilt auch für das Lesen und Schreiben von Sexszenen. Die einen Leserinnen mögen es so, die anderen genau anders herum oder irgendetwas dazwischen. In diesem Blogpost findet ihr meine ganz persönliche Meinung. Ich erzähle euch, was mir aufgefallen ist und was ich nicht so gerne lese. Mit anderen Worten: Ich verrate euch hier meine persönliche Negativliste, berichte von Szenen, die mir ekelig vorkamen oder bei denen ich den Kopf geschüttelt habe. Meine Aussagen beziehen sich auf die Lektüre englischsprachiger Gayromances, die ich überwiegend lese.

1.) Persönliche Hygiene und Rimmen:

Beim Rimmen kommt die Zunge des aktiven Partners mit dem Anus des Love Interests in Berührung. In vielen Romanen, in denen solche Szenen vorkommen, haben die Figuren vorher geduscht oder praktizieren diese Spielart gleich unter der Dusche. Ansonsten kann man als Leser meistens davon ausgehen, dass die letzte Dusche noch nicht so arg lange zurück liegt. Alles das ist für mich im grünen Bereich.

Mein ganz persönliches Ekel-Highlight ist für mich eine Rimmingszene nach einer langen Flugreise. Wo also der nehmende Partner für viele Stunden keine Möglichkeit für eine Dusche hatte.

Typisches Setting: Der eine Mann holt den anderen vom Flughafen ab und es geht gleich im Auto los oder spätestens an der Wohnungstür, inklusive Zunge am Allerwertesten. Was soll das sein? Die Darstellung, dass die leidenschaftlichen Liebe der Männer zueinander so groß ist, dass es dem mit der Züngelbereitschaft egal ist, ob der andere wer weiß wie oft auf der Toilette saß und sein großes Geschäft erledigt hat?

Für mich machen solche Rimming-Szenen allenfalls dann Sinn, wenn es um einen speziellen Kink geht. Ich überblättere sie immer so schnell wie möglich.

2.) Die Vorbereitung des Bottoms auf Analsex mit dem Top:

Viele Autorinnen nehmen sich für diesen Aspekt sehr, sehr, sehr viel Zeit und ich denke dann fast immer: Will der Öl finden oder was?

Den Fokus so auf das Fingern zu legen, bedeutet für mich, dass eine Fistingszene vorbereitet wird, die dann natürlich nicht kommt. Es gibt nur ganz wenige Gaybücher, die derartiges thematisieren.

Es kommt natürlich auch auf die jeweilige Romanfigur an, die die Fingerchen empfängt. Jemand, dem Analsex nicht vertraut ist, braucht wahrscheinlich eine längere Vorbereitung als der, der es schon dutzende Male erlebt und genossen hat.

Bei so lustigen Ideen, wie die Finger im Anus spreizen (im Englischen „He scissored his fingers“) bekomme ich regelmäßig einen Lachanfall. Ich kann die Sexszene dann nicht mehr ernst nehmen. Das Gleiche gilt für Szenen, in denen der Top erst vier bis fünf Finger im Anus gehabt hat, aber dann das Einführen des Penisses aufgrund der Enge derart kompliziert ist, dass die armen Liebenden die Sex-Action fast abbrechen müssen. (Ich rede jetzt von unbefangenen Romanfiguren. Eine andere Frage ist es natürlich, wenn der Nehmende sich zwar wohl beim Fingern fühlt, aber sich vor Analverkehr mit einem Penis fürchtet, weil er eine schlechte Erfahrung gemacht hat.)

3.) Einer ausgiebigen Sexszene folgt sofort eine zweite, eine dritte und … gähn:

Für mich entwerten sich solche Handlungsabfolgen gegenseitig. Mag jede Sexszene für sich alleine betrachtet spannend sein, fangen sie doch an zu nerven und/oder zu langweilen, wenn sie aneinandergereiht werden.

4.) Sex, wenn die Gefahr besteht, erwischt zu werden:

Kann ich überhaupt nicht ab. Bestimmt mögen viele Leserinnen sie gerne lesen. Ich nicht.

5.) Sex in anderen Situationen, in denen er nicht angebracht ist:

Ich mag keine sich dämlich verhaltenden Protagonisten. Wird die Situation überspitzt, indem der Sex der Romanfiguren dazu führt, dass sie in Schwierigkeiten geraten, ist das für meinen Lesegenuss eher kontraproduktiv. Natürlich kommt es auch auf den Plot an. Manchmal lese ich Bücher zu verbotener Liebe ganz gerne. Verlieben sich beispielweise der Gefängnisdirektor und einer der Gefangenen ineinander, dann führt das natürlich zwangsläufig zu einem komplizierten Sexualleben. Aber auch in solchen Plots gibt es eine schmale Grenze zwischen klug planen und sich so saudämlich verhalten, dass ich denke: bei denen piept es wohl.

6.) Fantasiesex oder Sex in einer Traumsequenz zu Beginn eines Romans:

Nein Danke! Szenen am Anfang eines Romans, in denen sich der Verliebte in allen Einzelheiten vorstellt, wie er Sex mit seinem Love Interest hat, überblättere ich. Für mich sind sie Verrat am Spannungsbogen.

7.) Quickies, die unsäglich lang sind:

Haben die Romanfiguren Spontansex unter Zeitdruck, sollte das auch in einer gestrafften Darstellungweise zum Ausdruck kommen. Geht ein Quickie über fünfzig Romanseiten, empfinde ich das in der Regel als seltsam. Besonders absonderlich finde ich Szenen, in denen während eines Quickies ewig lange Rückblenden hineingeschnitten werden.

8.) Sexspielzeug:

Ich finde die Verwendung von Sexspielzeug wie Dildos und Cockringen in Liebesromanen unromantisch. Bei BDSM-Romanen mögen sie ihre Berechtigung haben, bei Romances machen sie für mich die Stimmung kaputt.

Abschlussgedanken:

Einige Leserinnen fragen sich jetzt natürlich, was für Liebesszenen ich gerne mag. Ich mag sie, ja wirklich. Allerdings finde ich es schwieriger, diesbezüglich eine Positivliste zu verfassen. Ich werde mir darüber Gedanken machen.

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