Zwei Männer küssen sich in einem Lagerraum
Romane schreiben

Die Besenkammer

Ein Geständnis

Die Besenkammer scheint ein wahnsinnig sinnlicher Ort zu sein, um dort in erotische Interaktion zu treten. Praktisch in jeder dritten (englischsprachigen) MM-Romance, die ich lese, kommt eine solche Szene darin vor. Zugeben, ich habe auch schon einmal eine entsprechende Szene geschrieben. In DIE NEUN LEBEN DES LÖWEN von Rose Lee Wayne dirigiert der russische Mafia-Boss Ruslan seinen Love Interest Ryan in eine Art Besenkammer/Lagerraum und darin kommt es zu einem leidenschaftlichen Intermezzo. Es besteht allerdings in dieser Situation keine Gefahr des Entdecktwerdens.

Kleiner Hinweis

Dieser Blogpost bezieht sich auf englischsprachige Romances. Ich lese nur noch selten deutschsprachige Bücher und kann mir deshalb diesbezüglich kein Urteil bilden. Die Gründe für meine Affinität zum Englischen lege ich vielleicht ein anderes Mal dar.

Die Gefahr der Entdeckung

Als Leserin mag ich Besenkammer-Sexszenen in der Regel nicht. Genausowenig mag ich Sexzenen in Toilettenkabinen oder auf Automotorhauben. Überhaupt alle Sexszenen, in denen die Charas Gefahr laufen, entdeckt zu werden, kann ich nicht ab. Klar, manchmal ist es für die Charas ein Kink. Die Möglichkeit des Entdecktwerdens stachelt sie gerade noch an. Das ist aber nicht mein Kink. Tatsächlich wünschte ich mir, dass vor solchen Szenen im Klappentext gewarnt wird. Ich würde mir dann dreimal überlegen, ob ich das Buch kaufe oder nicht.

Preiswerte Gründe, um den Charas auf dem Weg zum Happy End Steine in den Weg zu legen

Wo Besenkammern, Toilettenkabinen und Motorrhauben sind, da ist der Erpresser nicht weit. Wem als Autor nix einfällt, der fährt eben die Erpresserschiene. Die Verliebten lassen sich beim Sex in der Toilettenkabine erwischen, der Erpresser macht Fotos und schon ist das Drama da. Solche Plots wachsen in meinen Augen nicht natürlich, sondern werden künstlich schwierig gehalten. Das trübt natürlich auch mein Lesevergnügen.

Erwischt werden und das Hassverbrechen

Rätselhaft ist mir, weshalb Romanfiguren, die sich in einer gayfeindlichen Umgebung aufhalten, aus welchen Gründen auch immer, sich unbedingt küssen müssen oder Sex auf der Motorradhaube haben. Romantechnisch ist da natürlich das Hassverbrechen vorprogrammiert. Wem als Autor also nix einfällt, kann sich dieses Stereotypen bedienen. Mit zusammengeschlagenen Hauptfiguren haben die meisten Leserinnen automatisch Mitleid. (Ich in der Regel nicht, wenn sich die Charas allzu blöd verhalten haben.)

Alter schützt vor Torheit nicht

Wenn die Charas jung sind, kann ich solche Szenen durchaus noch nachempfinden. Sind die beiden Liebenden schon etwas älter und erfahrender, dann haben sie selbst Schuld, wenn sie sich beim Sex erwischen lassen. Meistens sind das dann MM Military-Romances, die in den USA spielen. Dort sind nämlich Techtelmechtel zwischen Militärangehörigen ziemlich rigoros reglementiert. Ein Vorgesetzter, der sich mit einem Untergebenen einlässt, riskiert das Militärgericht usw.

Ich lehne solche Plots nicht ab. Eher finde ich es interessant, wie die Charas dieses spezielle Dilemma bewältigen. Haben sie dann Sex auf der Motorhaube, kriege ich ’nen Hals, weil ich diesen Schwenk mal wieder zu billig finde.

Das Problem mit dem Viellesen

Ich lese viele Bücher pro Monat. Keine Ahnung, wie viele es in meinem Leben schon gewesen sind. Tausende, denke ich. Mein Problem dabei ist, dass ich Plotwendungen, die ich vor zwanzig Jahren vielleicht noch spannend gefunden hätte, mittlerweile langweilig oder ärgerlich finde. Es gibt natürlich auch Autorinnen, die so fesselnd und mit Überlegung schreiben, dass mir alle Plotwendungen organisch gewachsen vorkommen und ich das Buch voller Spannung und Freude lese. Manchmal habe ich dann sogar Freude an Besenkammer-Szenen.

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